Geologisches

Geologisches (von Roland Goffart)

Nachrichten aus dem Unterdevon

Weidenbach liegt in der Nähe der Salmerwaldmulde, der südlichsten der Eifeler Kalkmulden an einer weitläufigen Senke. Hier speisen etliche kleine Bäche die gerade entsprungene Salm. Auch wenn es hier keine spektakulären Felsformationen oder Aufschlüsse gibt, so wird der aufmerksame Wanderer beim Weg durch die Felder rötliches Sedimentgestein finden, in dem Versteinerungen von an Muscheln erinnernde Tiere, sogenannten Brachiopoden des Unterdevons eingebettet sind. Das Unterdevon ist eine Zeit die ca. 400 Millionen Jahre zurück liegt. Vor allem im nordöstlichen Teil des Rundweg 1 lassen sich diese Zeugen der Vergangenheit finden. Damals lag die Eifel am Rand des Kontinents Laurussia in einem tropischen Flachmeer. Hier hinein wurden die Gesteine des Kontinents als rote Sedimente abgelagert. Später, im Mitteldevon, bildeten in dem Flachmeer Schwämme und ausgestorbene Korallenarten wie Rugosa oder Tabulata ausgedehnte Riffe. Die Gesteine dieser Riffe blieben in den heutigen Eifeler Kalkmulden erhalten. Die Munterley im nahen Gerolstein ist ein eindrückliches Beispiel für ein solches Riff.
Diese alten Kalke werden industriell genutzt und finden sich im Baumarkt als Gipskartonplatte oder im Zementsack wieder.
Ade, ihr Zeugen vergangenen Lebens!
Ausflugstipp: Wer mehr über die Lebensformen im Devon und die Mineralien und Gesteine der Region wissen möchte, dem sei das Naturkundemuseum in Gerolstein ans Herz gelegt. Hier gibt es auch steinzeitliche Funde aus dem Buchenloch und den Feldern um Rockeskyll, Lehrreiches zur Waldökologie und eine große Schmetterlingssammlung zu bestaunen. Zudem werden Führungen in die Umgebung angeboten, sowie Kurse für Kinder und Schulklassen.

Auf den Spuren eines alten Kontinents

Folgt man dem Rundweg 1 hinter dem Friedhof, parallel zur Straße nach Schutz, sieht man deutlich, wie die Ackerböden deutlich sandiger und heller werden. Auch der Weg ist auf einmal mit hellem Sand bedeckt.
Zur Rechten, auf der anderen Seite der Straße, ist der Hang des Kalenberges zu sehen. An seiner Westseite sind überwachsene Reste einer Grube zu sehen. Der hier anstehende helle weiche Sandstein verwittert zu losem Sand und hat sich hangabwärts weithin abgelagert. An der Grillhütte beim Sportplatz, steht dieser helle Sand an, am Weganschnitt daneben in deutlich rötlicher Färbung. Darin lassen sich mehr oder minder gerundete Steine finden, die zum ursprünglichen Gestein des Buntsandsteins gehörten
Ob der Name „Sandhósen“ mit dem die Meisburger die Weidenbacher gern betiteln, von diesem Sand stammt, vermag ich nicht zu sagen. Die Bewohner des „Kóhlelbaachs“ unterhalb des Kalenberges verfügen, wegen des verwitterten Buntsandstein, über sandige Gärten.
Salmabwärts, vom Sportplatz aus dem Wanderweg in Richtung Desserath folgend werden die Sandsteine dunkler, härter und es lässt sich zunehmend Schichtung beobachten. Die geologische Übersichtskarte zeigt innerhalb der Gemeindelage den abrupten Übergang der unterdevonischen Schichten im Norden(ca 400 Millionen Jahre alt), zu den Schichten des mittleren und oberen Bundsandsteins im Süden (ca 250 Millionen Jahre alt). Diese lassen sich salmabwärts und vor allem im benachbarten Kylltal beobachten und gehören zum Nordostrand des sogenannten Bitburger Beckens.
Vor etwa 250 Mio. Jahren begann der Superkontinent Pangäa auseinander zu brechen. Über Zwischenstufen sollten sich daraus die Kontinente bilden, die wir heute kennen. Bei diesem Auseinanderbrechen senkte sich eine ausgedehnte Zone ein, die die Geologen als Germanisches Becken bezeichnen. Die Eifel lag in einer Grenzlage zwischen einem Hochgebiet, den heutigen Ardennen, und dem Germanischen Becken. Ein kleiner Teil dieser großen Senkungszone bildete die Trierer Bucht zu der wiederum das Bitburger Becken gehörte. Flüsse füllten diese Becken mit ihrem Schutt. Als das Relief eingeebnet war, mäandrierten die Flüsse mehr und es entstanden Überflutungsebenen. Feineres Sediment wurde abgelagert. Gelegentlich bildeten sich Seen in denen toniges Material abgelagert wurde. Zeitweise fielen diese Gebiete trocken und im wüstenähnlichen Klima dieser Zeit übernahm der Wind den Materialtransport und bildete u.a. Dünen.
So finden sich in den Felsen des benachbarten Kylltals bis nach Trier, grobe Gerölle, feine Sand- und Siltsteine und die Schichtung von Dünen.
Die so entstandenen Gesteine wurden denn auch als Baumaterial genutzt. Viele der alten Häuser im Dorf wurden aus Bruchstein errichtet, der in Gruben aus dem Buntsandstein gebrochen wurde. Besonders feinkörnige homogene Qualitäten eigneten sich für die Bildhauerei: so das auf dem Friedhof stehende Försterkreuz aus der Hand eines Kyllburger Meisters oder auch die Skulpturengruppe an der Kirche.

Wandertipp:

Der wertvollste Schatz, den der Buntsandstein birgt, lässt sich auf dem Wanderweg entlang der Salm bis zum Kloster Himmerod zumindest erahnen. Aufgrund seines Porengehalts und der damit verbundenen Durchlässigkeit ist Sandstein ein guter Wasserspeicher und –leiter. Der Zweckverband Wasserversorgung Eifel-Mosel hat entlang der Flussaue Brunnen zwischen 30m und 120m Tiefe in den Buntsandstein gebohrt. Und so trifft man entlang des Weges immer wieder auf kleine Brunnenhäuschen. Hier wird Trinkwasser mit besonders guter Qualität gefördert und in den Wasserwerken „Obere Salm“ in Gillenfeld und dem benachbarten Meisburg aufbereitet und verteilt.
Weitere Infos zu Fördermengen, Aufbereitungstechnik und aktuelle Messberichte zur Wasserqualität und Schadstoffbelastung gibt es auf der Website des Zweckverbandes.

Von Ferne grüßt der Vulkan

Von der Weidenbacher Flur, wiederum Rundweg 1, ist in östlicher Richtung der Burberg bei Schutz zu sehen. Der Rest eines Tuffrings, der vor mindestens 11000 Jahren durch einen Vulkanausbruch entstanden ist. Er sitzt auf einer von Nord nach Süd verlaufenden geologischen Störung, die im Norden beim Nerother Kopf beginnt, über das Oberstadtfelder Trockenmaar zum Meerfelder Maar und dem etwas südöstlich liegenden Reihenvulkan des Mosenbergs führt.
Schaut man sich die Tuffe genauer an finden sich Lavabröckchen (Lapilli), Lavaschlacken und ebenso glänzende Plättchen des Minerals Bioti. Eine Wanderung dorthin, lohnt alle mal, vor allem wegen der grandiosen Aussicht, die an klaren Tagen bis zum Hunsrück reicht. Nebenbei bemerkt, lassen sich dort noch Spuren einer Burganlage finden, die ans Ende der römischer Zeit (4. Jhdt.) datiert wird.
Ausflugstipp: Wer sich über den Vulkanismus informieren und einen spannenden Ausflug in die Erdgeschichte machen möchte, dem sei das Maarmuseum in Manderscheid sehr empfohlen. Hier wird nicht nur der Vulkanismus der Eifel anschaulich gemacht, sondern auch in einen globalen Zusammenhang gestellt. Eine besondere Abteilung ist den etwa 40 Mio Jahren alten Fossilien des Eckfelder Maars gewidmet. Das Museum bietet auch geführte Exkursionen in die Umgebung (Mosenberg, Meerfelder Maar und die Fossillagerstätte Eckfelder Maar) an.

Struht

Unter der „Struht“ und der B257 wurde in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts ein Tonvorkommen nachgewiesen, zu dem aber keine Informationen zur Stratigraphie, Entstehungsgeschichte und Alter ausfindig gemacht werden. So bleibt nur die Beobachtung, dass die Bäche der Weidenbache Senke, alle zur Salm hin entwässern und sehr schnell auf auf Regen und Schmelzwasser mit Anstieg des Pegels reagieren. Teile von tiefer gelegenen Wiesen, auch wenn sie weiter von den Bächen entfernt sind, sind recht schnell überflutet, was auf einen wasserdichten Untergrund schließen lässt, der ein Ablaufen des Wassers in die Bäche erschwert.

 

 

Zu Guter Letzt

Wovon hier berichtet wurde liegt lange Zeit zurück. Aber die Kräfte, die unsere Landschaft geformt haben, sind immer noch zugange. So kann man die Salm in aller Ruhe bei ihrer Arbeit beobachten: wie sie das Land mit Wasser versorgt und zugleich entwässert, dabei das Tal und die Aue gestaltet, im Spiel zwischen „Klauen und Bauen“, zwischen Abtragung und Anlagerung. Sie nimmt Erde, Kies und Sand mit auf die Reise und lagert sie woanders wieder an, wobei sie immer neue Lebensräume schafft.

 

 

So besteht die Einladung beim Streifen durch unsere Wiesen und Wälder alle Sinne zu öffnen, aufmerksam und neugierig zu sein. Es gibt viel zu entdecken.

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